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Tag der Einheit

Mit der MZ über die Grenze in die Kirche

Was macht ein Motorrad vor dem Altar? Es symbolisiert, was einst trennte. Und die, die im Gottesdienst beisammen sitzen, symbolisieren, was heute verbindet. Es ist Einheitsfeier in Siemerode, schon das 22. Fest nach der Grenzöffnung zwischen Weißenborn in Niedersachsen und Siemerode in Thüringen. Und wieder hat einer das Wort, der einst „rübermachte“ von hier, wo er geboren wurde, nach dort, wo er heute lebt. Und zwar mit dem Motorrad, einer MZ ES 175 ccm, wie sie an diesem Tag der Deutschen Einheit, 21 Jahre nach der Wiedervereinigung, im Eichsfeld-Dom von Siemerode vor dem Altar steht.

Motorrad in Kirche: Mit der MZ gelang Wippermann die Flucht, hier mit Pastor Bothe.
Es war der 22. September 1961 als Gerhard Wippermann (heute 68) in der Mittagszeit auf seine MZ stieg. Als Lehrling in einem Grenzdorf der DDR war er „selbst beim Nachhausgehen aus der Kneipe dreimal kontrolliert“ worden. Diese Unfreiheit hatte er satt. Als er über das Stoppelfeld in den Westen brauste, schossen die Grenzsoldaten hinter ihm her. Seiner Mutter berichteten sie gleich danach, sie hätten den Sohn bei der Flucht erschosssen. Doch er war heil nach Weißenborn gekommen. Sein Motorrad ließ er liegen, das holte sich die NVA. Deshalb steht heute in der Kirche die ebenfalls 52 Jahre alte MZ seines Vaters. Pastor Thorsten Bothe fragt ihn statt einer Predigt im Gottesdienst, wie das war vor 50 Jahren bei Flucht und Neuanfang im Westen.
„Ein ergreifender Gottesdienst“ sagen später viele der Redner bei der Einheitsfeier – sowohl Thüringens Finanzminister Wolfgang Voß (CDU) als auch Frank Frühling vom niedersächsischen Inenministerium. Sie alle mahnen, an den Werten festzuhalten, die 40 Jahre Diktatur nicht entwerten konnten und die zur Einheit geführt haben. Daran, so appellieren alle, müsse die Jugend in solchen Einheitsfeiern, wie sie die Zaunspechte um Gerhard Wippermann von Dies- und Jenseits seit 21 Jahren organisieren, stets erinnert werden.

Übernommen vom Göttinger Tageblatt
[Jürgen Gückel ]

3. Oktober wurde im Eichsfeld gebührend begangen



In Siemerode tanzten und feierten mehr als 500 Gäste aus Ost und West gemeinsam. Foto: Rene Weißbach
Mit Festen und Ausstellungen haben die Eichsfelder den Tag der Einheit begangen. So gehört es in Siemerode seit der Wende zur Tradition, mit den niedersächsischen Nachbarn auf diesen besonderen Tag anzustoßen.
Heiligenstadt. Auf dem Gemeindesaal feierten deshalb am Sonntag mehr als 500 Menschen aus ehemals Ost und West gemeinsam in den 3. Oktober hinein. Von Anfang an für die musikalische Unterhaltung zuständig, ist die Tanzband "Thanas", die auch in diesem Jahr wieder für eine volle Tanzfläche sorgte. Annett Bust, selbst gebürtige Siemeröderin, lobt vor allem die Verbundenheit mit den umliegenden Gemeinden. "Wir sind in den letzten Jahren mit unseren Nachbargemeinden richtig zusammengewachsen und können super zusammen feiern", freut sie sich. Aus dem niedersächsischen Weißenborn, Bischhausen, Bremke und Bischhagen sind an diesem Abend viele der Gäste gekommen.
Zum ersten Mal dabei und nicht weniger begeistert von der Eichsfelder Gastfreundschaft ist auch Wolfgang Schmalstieg aus Elbickerode. Mit Freunden und Bekannten sicherte er sich schon früh einen Platz im Festsaal der Eichsfeldgemeinde. "Der Tag der Deutschen Einheit ist ein großartiges Ereignis, den es gebührend zu feiern gilt", meint er und fügt an: "Es ist jetzt zusammen, was einfach zusammen gehört". Zum Höhepunkt der Veranstaltung gehört zweifelsohne das gemeinsame Singen der Nationalhymne, des Eichsfeldund des Niedersachsenliedes um Mitternacht. Mit einem ökumenischen Gottesdienst und anschließendem musikalischen Familienfrühschoppen endeten die diesjährigen Feierlichkeiten der beiden Kirchengemeinden Weißenborn und Siemerode.

Übernommen von derTLZ


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